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Wettkampfatmosphäre in Wald und Flur bei den Bogensportfreunden Sauerthal

Am 28.04 und 29.04.12 fand das Feldbogenturnier des DFBV (Deutscher Feldbogen Sportverband e. V.) statt. Der Verein Bogensportfreunde Sauerthal richtete das Qualifikationsturnier aus. Zwar ist die Teilnehmerzahl sehr klein, dafür ist das Niveau mancher Schützen umso größer.  Eine der Top-Schützinnen ist Christel Reußner, Geschäftsführerin des Deutschen Feldbogen Sportverbandes. „Das Gelände muss man lesen können“, beschreibt sie die besondere Herausforderung dieser Sportart. „Auch wenn die Entfernung des Zieles bekannt ist, muss die wechselnde Hanglage bei der Einstellung des Visiers berücksichtigt werden.“

Christel Reußner schießt in der Stilart Freestyle Limited Recurve. Im Gegensatz zur Stilart Traditionell Recurve Bogen sind hier Visiere und Stabilisatoren zugelassen. Die 59-jährige bevorzugt den so genannten Recurvebogen, dessen Wurfarmenden nach vorne gebogen sind. Ausgestattet mit langem Stabilisator wirkt er im bergigen Parcours sehr sperrig. Wenn sie mit immer gleichen Bewegungen auf einer der 28 Bahnen einen Schuss vorbereitet, wird es um sie herum still. In dieser Wettkampfstimmung ist sie in ihrem Element.

Am ersten Tag des Turniers scheint die Sonne und die Temperaturen an den steilen Hängen werden rasch unangenehm. Nach drei Stunden sind die Sportler schon durchgeschwitzt und dabei haben sie erst die Hälfte des Parcours bewältigt. Christel Reußners Rezept gegen diese Strapazen ist ein regelmäßiges Konditionstraining. „Große Wettkämpfe dauern oft zehn Stunden“, erklärt die Vizeweltmeisterin 2010 und fügt hinzu: „darüber hinaus schieße ich 200 bis 1000 Pfeile je Woche. Nach einem großen Wettkampf lege ich oft eine Pause von bis zu 14 Tagen ein, die genauso wichtig ist.“

Christel Reußner hielt vor 22 Jahren das erste Mal einen Bogen in der Hand. Da war sie zu Besuch bei ihrem Onkel in Amerika. Der Bogensportlehrer erkannte das außergewöhnliche Talent seiner Nichte und ließ nicht locker. Als er zwei Jahre später feststellte, dass sie aus Respekt vor der teuren Ausrüstung nicht eingestiegen war, schickte er kurzer Hand einen zerlegbaren Recurvebogen aus Holz. „Ich konnte den noch nicht mal zusammenbauen“, lacht Christel Reußner.

Heute freut sie sich auf jeden Schuss. Selbst in Niederlagen findet sie den Ansporn, sich mit der eigenen Unvollkommenheit auseinanderzusetzen. Beim Feldbogenturnier in Sauerthal gibt es einen Schuss, der sie immer wieder besonders herausfordert. Die Entfernung von über 60 Metern ist eine große Distanz und auch wenn das Gelände an dieser Stelle eben wirkt, täuscht es. Dennoch ist sie mit ihrer Leistung an diesem Tag sehr zufrieden, schließlich hat sie ihr selbstgestecktes Ziel erreicht. Sie ist sich sicher, den besagten Schuss am Sonntag in die Mitte zu treffen.